Kurzfassung Dorfgespräche 3|5 mit Roland Gruber, 01.03.2016

»Dorfkern baulich und sozial«

Seit 15 Jahren beschäftigt sich MAS Roland Gruber und sein Team mit der Entwicklung von Orten und kleinen Städten. Er ist mit seiner Firma ›nonconform‹ der dynamischste und Aufsehen erregendste Dorfplaner bzw. Dorfentwickler in Österreich.
Für die vielen Möglichkeiten eines zukunftsweisenden, impulsgebenden Dorfkerns hat Roland Gruber einige Rezepte zusammengetragen. Viele Projekte entstehen in den Dorfrändern und den Zentren wird kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Gute Projekte im Dorfzentrum beleben nicht nur ein Dorf neu, sondern sorgen auch für Impulse weit darüber hinaus.

Ein einladender und belebter Dorfkern macht das Leben besser, vielfältiger, schöner und edler – das Erreichen dieses Ziels erfordert aber viel Zeit und Leidenschaft und viel Mut, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Es gilt Kernbestandteile eines Zentrums sowie im Dorf wirkende Kräfte aufzuspüren. Dafür holt Gruber in seine Workshops auch „weggezogene Einheimische“ zurück und gewinnt diese als Impulsgeber. Er versucht mit der Bevölkerung zehn Jahre in die Zukunft zu denken und die mögliche Entwicklung abzuschätzen. Gemeindemandatare entwickeln gemeinsam mit interessierten Bürgern Visionen und definieren Ziele. Dieser Visionsprozess ist für eine klare Richtung unumgänglich!
Überregionales Denken und Vernetzung mit innovativen Kräften kann zu gegenseitigen Höchstleistungen animieren. Begegnungen und Gespräche sind die Basis für einen Auf- und Umbruch im Dorf. Es soll etwas passieren, Kreativität wird geweckt.

Nicht die Ideen eines Planers, sondern alle im Ort vorhandenen Potenziale sind zusammenzutragen. Jung und Alt, Einheimische, Weggezogene, Neubürger, Unternehmer, Landwirte, Politik und Verwaltung gilt es an einen Tisch zu bringen um voneinander zu lernen. Planer müssen Zuhören lernen.

Das zukünftige Bild muss für alle verständlich sein.  Zur Veranschaulichung wird mit großen, nicht perfekten Modellen gearbeitet, die Fantasie bleibt erhalten. Denn Pläne lesen können nur Fachleute. Es gilt unvergessliche Momente zu schaffen, Meilensteine miteinander zu feiern.  So macht Zukunftsentwicklung Spaß. Nicht die Mittel bringen ein Projekt – sondern ein Projekt bringt die Mittel! Die Beteiligung vieler ist der Schlüssel für funktionierende und breit getragene Projekte. Vielerorts leer stehende Gebäude können auch eine Chance für die Entwicklung sein. Ziel ist, Möglichkeiten der Belebung aufzuzeigen. Oft muss die Gemeinde mit positivem Beispiel voraus gehen. Die Eigentumsstruktur ist dann der nächste Schritt. Der Dialog mit Betroffenen ist unumgänglich: Hausbesitzer Stammtische, Vier Augen Gespräche… Der ganze Prozess verlangt Beharrlichkeit und – wer nicht startet, kann nichts verändern!

 

Download der Präsentation von Roland Gruber

Auf einem Luftbild konnten die Besucher ihren persönlichen Dorfkern von Schwarzenberg markieren.
Wer nicht beim Dorfgespräch dabei sein konnte kann den Plan auch nachträglich befüllen und auf der Gemeinde abgeben.

Download Planunterlagen

Download Kurzzusammenfassung

Ideen und Gedanken

Mit den anregenden Gedanken von Roland Gruber im Hinterkopf haben die Besucher Ideen und Wünsche formuliert. Ein Auszug:

Was erwarte ich mir vom Zentrum meiner Gemeinde?

  • Ort der Begegnung
  • Kommunikation für Jung und Alt
  • Bewegungsraum / Freiraum / Wohlfühlplätze /Atmosphäre / Grünflächen erhalten
  • Verkehrsberuhigung / fußgängerfreundlich / Parkverbot im Dorfkern
  • Belebte Gastronomie
  • Veranstaltungen / Aktivitäten
  • Spielplatz
  • Gute Infrastruktur: Nahversorgung, Fachgeschäfte, Ärzte, Büros, Gasthäuser…
  • Belebung leerstehender Gebäude
  • E-Fahrräder im Dorf (Verleih)
  • Beleuchtung
  • Alte Bausubstanz u.a. Tanzhaus erhalten und beleben
  • Zentrales Wohnen für Jung und Alt
  • Behindertengerecht
  • Jugendtreff
  • Professionelle Dorfkernentwicklung mithilfe von Experten
  • Verdichtete Bauweise
  • uvm.

  

 © Katharina Roßboth

© Katharina Roßboth

Zur Person: Roland Gruber, geboren 1972 in Bad Kleinkirchheim / Kärnten, verheiratet, 2 Kinder. Roland Gruber ist studierte Architektur in Linz und Zürich und Kulturmanagement in Salzburg. Seit 1999 Mitbegründer und Partner von nonconform zt gmbh mit Büros in Wien und Kärnten sowie Mitbegründer und Vorsitzender von LandLuft – Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen.

»Ganz nach unserem Motto „miteinander weiter denken“ ist für nonconform die Architektur nicht nur das Planen und Realisieren neuer Gebäude, sondern viel mehr, nämlich ein langfristig lebendiges Umfeld zu schaffen. Sie verstehen ihre Aufgabe vor allem darin, die nachhaltige Entwicklung von Dorf-, Orts- und Stadtkernen mit der Revitalisierung von Gebäuden, öffentlichen Räumen und Infrastrukturen voranzutreiben. Nonconform analysiert Planungssituationen und Planungsprozesse und arbeitet mit den Auftraggeber und Betroffenen an den gegebenen räumlichen und sozialen Herausforderungen. Dabei werden innovative neue Wege in der Beteiligungskultur begangen und innovative Lösungen beschritten. Das Büro wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.«

nonconform - miteinander weiter denken

Roland Gruber beantwortet u.a. folgende Fragen:

  • Was zeichnet einen Dorfkern aus?
  • Welche Funktionen hat ein Dorfkern?
  • Wie kann ein Dorfkern Identität schaffen?
  • Wie groß ist ein Dorfkern?
  • Wie alt ist ein Dorfkern?
  • Kann ein Dorfkern versetzt werden?
  • Was darf ein Dorfkern kosten?
  • Welchen Nutzen schafft ein Dorfkern und welche Leistungen erbringt er für das Dorf?