Kurzfassung Dorfgespräche 4|5 mit Erwin Mohr, 22.03.2016

»Schwarzenberg als Teil Europas«

Europa lebt von den erfolgreichen und individuellen Regionen. Der Blick über den Tellerrand ist bei der Entwicklung einer Gemeinde enorm wichtig. Erwin Mohr, 22 Jahre sehr erfolgreicher Bürgermeister in Wolfurt, hat sich den Regionen Europas gewidmet.
Die Klima- und Umweltprobleme machen genau so wenig an unserer Staats- oder Landesgrenze Halt wie die Sicherheit und die Wirtschaft. Die offenen Grenzen sind hauptverantwortlich für unseren Wohlstand. Einerseits wäre ohne die Arbeitskräfte aus Europa unsere Wirtschaft nicht mehr leistungsfähig, andererseits bringen die Gästesehr viel Wertschöpfung.
Prinzipiell funktioniert eine Gemeinde wie eine Familie: Vertrauen, Wertschätzung, Zusammenhalt und Engagement entscheiden täglich über den Erfolg der Gemeinde. Es gibt Unternehmen, die die gleichen Produkte herstellen. Doch die eine Firma geht in Konkurs, während sich die andere erfolgreich entwickelt. Allzu oft sind die Firmenkultur und der Umgang miteinander entscheidende Erfolgsfaktoren. Das gilt auch für die Gemeinde: Wie gehen die Bürger, die Vereine miteinander um?

Aus Sicht von Erwin Mohr ist Schwarzenberg in mehrfacher Hinsicht eine internationale Gemeinde. Er sieht Schwarzenberg als prosperierende Gemeinde mit einem baukulturell außergewöhnlichen Ortskern rund um das Kleinod Barockkirche, eingebettet in die wunderbare Landschaft. Selbstverständlich der Ruf als erstklassige Kulturgemeinde, fußend auf dem großartigen künstlerischen Konzept der Schubertiade Schwarzenberg mit einem der allerbesten Konzertsäle weltweit und dem Angelika Kauffmann Museum. Das macht Schwarzenberg weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Auf was es ankommt – Erwin Mohr

Vertrauen – nicht Misstrauen
Wertschätzung – nicht Geringschätzung
Zusammenhalt – nicht Spaltung
Engagement – nicht Egoismus


Der Spagat zwischen dem konservativen Erbe und der Öffnung für die Gegenwart und der Zukunft ist nirgends einfach, auch nicht in Schwarzenberg.
Es war noch keiner Generation vor uns vergönnt, einen so hohen materiellen und auch sozialen Wohlstand zu genießen. Es wird eine Herausforderung der Zukunft, diesen Wohlstand für kommende Generationen zu erhalten. Andere Weltregionen holen auf und Europa fällt zurück. Vielleicht sollten wir unseren Wohlstand überdenken und neu definieren: Macht uns das zweite Handy oder der dritte Fernseher wirklich glücklicher? Wird Wohlstand in diesem Jahrhundert anders sein als im vorigen? Ist das BIP noch alleiniger Gradmesser?
Wir haben mehr Wohlstand, werden aber ständig un­zufriedener! Viele ältere Personen erzählen, dass sie früher zwar arm aber glücklicher waren.

Das Potential für die Zukunft steckt in den Menschen. Vielleicht wäre eine Sozialbilanz wichtiger als eine Finanzbilanz. Vereine und Ehrenamt tragen wesentlich zur Lebensqualität bei. Die Aktivierung der Menschen bzw. die gegenseitige Wertschätzung ist wichtig und entscheidend für eine erfolgreiche Zukunft.

Schwarzenberg hat nach Einschätzung von Erwin Mohr schon einiges vorzuweisen, um eine „Zukunfts-Gemeinde“ zu sein! Aber: Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein. Schwarzenberg darf nicht dieselben Fehler machen wie manch andere Kommune. Aus Fehlern kann man lernen – besser noch aus fremden als aus eigenen.

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Ideen und Gedanken

Während der Ausführungen von Erwin Mohr haben die Besucher auf ausgelegten Karten wertvolle Antworten zu folgenden Fragen gegeben. Ein Auszug:

Was sind die Qualitäten von Schwarzenberg?
Wo ist Schwarzenberg erfolgreich?

  • Lage – Natur - Landschaft
  • Kultur (Baukultur, Schubertiade, A.K. Museum)
  • Hohe Wohn- und Lebensqualität mit guter Nahversorgung
  • Gasthäuser und Tourismus
  • Gut funktionierende Vereine
  • 5 Frauen in der GV

Welchen Beitrag kann Schwarzenberg für Europa leisten?

  • Vorbild sein für andere Gemeinden
  • Engagement für die Flüchtlinge
  • Respekt gegenüber der Natur
  • Gemeinsam im Dialog sein
  • Vorreiterrolle Energieeffizienz – Bauen - Umweltschutz
  • Verfechtung der Selbstverantwortung, Autonomie der Gemeinde

 

Zur Person: Erwin Mohr wurde 1947 in Wolfurt geboren. Erwin Mohr ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Er war 22 Jahre lang Versicherungsmitarbeiter im Außendienst. Von 1985 bis 2009 war er Bürgermeister von Wolfurt und hat mit seiner Vision wesentliche Grundsteine für den Erfolg Wolfurts gelegt.

1997 wurde er zum Vizepräsidenten des Vorarlberger Gemeindeverbandes gewählt und in den Bundesvorstand des Österreichischen Gemeindebundes entsendet. Von 2008 bis 2014 war Erwin Mohr Präsidiumsmitglied des Österreichischen Gemeindebundes. In dieser Zeit war er auch Präsidiumsmitglied im Ausschuss der Regionen (Brüssel) sowie im Kongress der Gemeinden und Regionen Europas im Europarat (Straßburg), in welchem er von 2010,2012 die Vizepräsidentschaft innehatte.

Erwin Mohr ist heute selbständiger Kommunalberater, Referent und u.a. Präsident der Senioren Plattform Bodensee (Ö,D,CH,FL)

 

Erwin Mohr beantwortet u.a. folgende 5 Fragen:

  • Was führt einen Wolfurter Bürgermeister nach Europa?
  • Welche Grundhaltungen und Werte sind für den Erfolg einer Gemeinde wichtig?
  • Was sind die Qualitäten von Schwarzenberg aus Wolfurter Perspektive?
  • Was sind die aktuellen Themen und Aufgabenstellungen für Schwarzenberg aus Europäischer Perspektive?
  • Was braucht Schwarzenberg um eine Leuchtturmgemeinde in Europa zu werden?